Briefe aus dem Strandhotel 1945

Herr Kees Kennis aus Rüti (Schweiz) hat uns zwei Schreiben seiner Tante überlassen, die 1945 aus dem Konzentrationslager Mauthausen nach ihrer Befreiung zur Erholung in das Strandhotel Reichenau kam. Dieses Schreiben, adressiert an die Familie H. Kennis in den Haag, Chrispijnstraat 41 wurde vor seiner Versendung von der französischen Militärbehörde kontrolliert, allerdings als „intraduisible“ (unübersetzbar) eingestuft.

Briefumschlag

Schreiben

Anlage

Reichenau, 7. Juni 45

Liebe Tilly, Has und Kinder,

Hoffentlich erreicht euch dieses Schreiben und vielleicht bin ich selber noch früher bei euch. Ich bin 
mit heiler Haut aus dem Kampf davongekommen, nur noch etwas Schlaf, aber seit dem Frieden erhole ich mich wieder. Es hat für mich ganz gut ausgesehen. Ich bin so neugierig, wie es euch allen ergangen ist. Wir haben hier gehört, dass es auch in Holland sehr spartanisch zugegangen ist.

Kinder, ich hab euch so viel zu erzählen, auch Gutes.
Lasst uns hoffen, dass wir uns bald gesund wiedersehen.
In Gedanken viele Küsse und die allerbesten Wünsche
von eurer lieben Ro

 

 

Wir leben frei, das stimmt uns froh
auch wenn es noch nicht auf holländischem Boden ist
Noch immer sind wir zusammen
und das beinahe ein Jahr
die einstige Freundschaft verbindet uns stark.

Warum sind wir heute so froh,
das weiß jeder nur zu gut,
Heute ist es so viele Jahre her,
dass Gihni* auf dieser Welt erschien
die Welt, die damals so schön erschien
und sich dann als Hölle herausstellte.

Wir wünschen ihr alle zusammen
REGINA BUYS- DE JONG
dass du deine Sorgen vergisst,
dass du in deinem Vaterland
auch findest, wonach du verlangst,
dass schnell wieder die Sonne scheint.

12. Juni 1945, Strandhotel Reichenau

(*Gihni ist wahrscheinlich die genannte Regina Buys de Jong)